Heute liest du vielleicht in Social-Media, dass ein bestimmter Prompt, also die Nachricht, die du der KI schreibst, der beste Weg zu einem guten Text ist. Ein paar Tage später steht in einem Artikel das Gegenteil, natürlich ebenfalls als bester Weg. Gerade bei Prompts für Anfänger kommt so in kurzer Zeit eine ganze Sammlung zusammen und keiner dieser Tipps sagt dir, welchen du davon nehmen sollst.

Sorry, wenn ich dir das jetzt so sage, aber den einen besten Prompt gibt es nicht. Es gibt verschiedene Wege zu einem Ergebnis und jeder hat andere Ansprüche daran, wie dieses Ergebnis aussehen soll. Deshalb nimmst du den Weg, der sich nach deinem Bauchgefühl richtig anfühlt, gibst ihm deine eigenen Angaben mit und guckst, was dabei rauskommt. Dass dich die Menge an Tipps erst mal überfordert, ist völlig normal. Anfangen musst du trotzdem irgendwo.

Warum widersprechen sich die ganzen Prompt-Tipps?

Die Tipps widersprechen sich, weil jeder ein anderes Problem löst, meistens das Problem, mit dem sein Autor gerade selbst gekämpft hat. Auf meinem eigenen Blog kannst du das gut sehen. In meinem Artikel über KI-Schreibaufgaben steht schon im Titel, dass dein Prompt nicht das Problem ist. Ein anderer Artikel erklärt dir Schritt für Schritt, wie du deinen Prompt verbesserst. Auf den ersten Blick sieht das aus, als wüsste ich selbst nicht so recht, was ich will.

Gegeneinander stehen die beiden trotzdem nicht. Der erste richtet sich an alle, die der KI ein Thema ohne eigene Angaben hinwerfen und sich dann über einen austauschbaren Text wundern. Der zweite ist für Leute, deren Prompt über Monate auf fünfzig Regeln angewachsen ist und mit einem neuen KI-Modell, also einer neueren Version von ChatGPT oder Claude, plötzlich schlechter funktioniert. Als Anfänger betrifft dich das zweite Problem noch gar nicht, weil dein Prompt keine fünfzig Regeln hat. Welcher Tipp zu deiner Lage passt, kann dir deshalb kein Artikel pauschal sagen, auch dieser nicht.

Mit dieser Frage prüfst du jeden Prompt-Tipp

Frag dich bei jedem Tipp, ob damit mehr von dir im Chat landet. Die KI weiß über dich und deine Leser nur das, was du ihr gibst. Jede Lücke füllt sie mit dem, was zu so einer Aufgabe üblicherweise geschrieben wird, und genau daher kommt der austauschbare Klang, den du bei vielen KI-Texten sofort hörst.

Fast alle Tipps, die so herumgehen, sind am Ende verschiedene Wege, diese Lücken zu füllen. Bei einem Fertigprompt trägst du ein paar Angaben in eckige Klammern ein und der Rest steht schon da. Lässt du dir von der KI Fragen stellen, holt sie sich die fehlenden Angaben selbst bei dir ab. Wenn du beim Scrollen den nächsten „besten Prompt“ siehst, schau kurz nach, wie viel Platz er für deine eigenen Angaben lässt. Ein Auftrag aus lauter fertigen Sätzen mit drei leeren Klammern verrät dir schon vorher, dass am Ende wenig von dir drinsteckt.

Taugen Fertigprompts etwas?

Manche taugen etwas, viele liefern aber ein Ergebnis, das am eigentlichen Wunsch vorbeigeht. An solche Prompts bin ich immer auf dieselbe Art gekommen. Am Ende eines Instagram-Videos hieß es, ich soll ein bestimmtes Wort in die Kommentare schreiben. Danach lag der Prompt kostenlos in meinem Postfach. Raus kam beim Arbeiten damit immer etwas, nur oft nicht das, was ich haben wollte.

Hier ist einer davon, so wie ich ihn auf Instagram kopiert habe:

Du bist der erfolgreichste Content Creator in der [Nische einfügen]. Ich möchte, dass du mir hilfst, 30 Instagram-Reels mit kurzen Inhalten zu erstellen. Denke gründlich über die Probleme, Missverständnisse und Traumziele meiner Zielgruppe nach, die aus [Beschreibe deine Zielgruppe] besteht und entwickele Content Ideen auf dieser Grundlage. Formatiere die Ergebnisse in einer Tabelle. Die X-Achse soll die Probleme, Missverständnisse und Traumziele enthalten und die Y-Achse mit den Zahlen 1 bis 30 durchnummeriert sein. Bevor du beginnst, stelle mir mindestens 10 Fragen, die dir helfen, meine Zielgruppe wirklich zu verstehen.

Was an diesem Prompt gut ist

Der beste Teil steht ganz unten. Bevor die KI loslegt, soll sie dir mindestens zehn Fragen zu deiner Zielgruppe stellen und damit holt sie sich Angaben, die in keiner Vorlage stehen können. Nach der Prüffrage von oben bringt dieser eine Satz das meiste von dir in den Chat.

Gut ist auch, dass der Prompt der KI eine Richtung vorgibt. Die Ideen sollen aus den Problemen, Missverständnissen und Traumzielen deiner Zielgruppe entstehen. Ohne diese Vorgabe greift die KI auf das zurück, was zum Thema Reels allgemein so herumschwirrt, und du bekommst Vorschläge, die auf jeden Account passen.

Wo der Prompt danebenliegt

Die Rolle ganz oben bringt dir nichts. Die KI weiß über deine Nische kein bisschen mehr, nur weil du sie zum erfolgreichsten Content Creator ernennst. Tut mir leid, aber per Ernennung ist noch keiner erfolgreich geworden, auch keine KI.

Danach legt der Prompt fest, was du bekommst, bevor du selbst weißt, was du brauchst. Es werden auf jeden Fall 30 Ideen, egal ob du drei gute Reels willst oder einen Plan für den ganzen Monat. Die KI muss alle 30 Plätze füllen, auch wenn ihr nur zwölf gute Ideen einfallen, und den Rest sortierst du hinterher selbst aus.

Bei der Tabelle muss die KI raten. X-Achse und Y-Achse stammen aus Diagrammen, eine Tabelle hat Spalten und Zeilen. Gemeint sind wohl drei Spalten für Probleme, Missverständnisse und Traumziele und dazu 30 nummerierte Zeilen. Dann stehen am Ende allerdings 90 Felder da und ob du 30 oder 90 Ideen bekommst, entscheidet die KI für dich.

Und die zehn Fragen drehen sich nur um deine Zielgruppe. Über deine Art zu reden und das, was du mit den Reels erreichen willst, erfährt die KI nichts. Sprechen musst du die Reels am Ende aber selbst.

Willst du den Prompt trotzdem nutzen, streich die Rolle und setz statt der 30 die Zahl ein, die du wirklich brauchst. Die Tabelle ersetzt du durch eine einfache Liste, das erspart der KI das Raten. An die Fragen hängst du noch einen Satz an: „Frag mich auch, wie ich rede und was ich mit den Reels erreichen will.“ Für jemanden, der so eine Tabelle sucht, ist der Prompt vielleicht auch ohne Änderung der heilige Gral. Geht es mir um Qualität, ist so ein Prompt zum Kopieren nicht immer der beste Weg.

Mein Weg: ins Mikrofon sprechen und Fragen beantworten

Bei mir läuft es über die Diktierfunktion, also das kleine Mikrofon-Symbol im Eingabefeld, bei Claude wie bei ChatGPT. Ich erzähle der KI, was ich zu einem Thema im Kopf habe, und danach stellt sie mir Fragen, die ich beantworte. Aus diesem Frage-Antwort-Spiel entsteht das Ergebnis und für mich ist das bis heute der beste Weg. Meine Antworten geben der KI Angaben, die sie vorher nicht hatte, und ihre Fragen decken Lücken auf, bevor überhaupt ein Satz geschrieben ist. Warum Nachfragen und Widersprechen mehr bringen als ein perfekter Prompt, habe ich beim Buchschreiben mit KI ausführlicher beschrieben.

In der Öffentlichkeit muss ich mich dann doch wieder mit dem Tippen auseinandersetzen. Nicht jeder um mich herum muss ja mitbekommen, woran ich gerade arbeite. Mein Weg muss auch nicht deiner werden. Vielleicht tippst du lieber oder kommst mit einem Fertigprompt gut zurecht und das merkst du erst beim Ausprobieren.

Prompts für Anfänger: Womit startest du, wenn dich zehn Tipps überfordern?

Nimm den Tipp, zu dem dein Bauchgefühl Ja sagt, und probier ihn an einer echten Aufgabe aus. Zehn Wege im Kopf gegeneinander abzuwägen bringt nichts, solange du keinen davon getestet hast, weil dir dafür der Vergleich fehlt. Den liefert dir erst dein eigenes Ergebnis. Jeden Tipp, den du liest, musst du dabei auch nicht übernehmen. Von neun Funden aus einer Recherche zum KI-Schreiben habe ich selbst einige komplett übernommen und andere ausdrücklich abgelehnt.

Kaputt machen kannst du dabei nichts. Ein Versuch, der danebengeht, kostet dich ein paar Minuten und einen neuen Chat. Und verstehst du eine Antwort der KI nicht, frag nach. Ich frage in solchen Fällen ohne Umschweife: „Erkläre es mir bitte für Idioten.“

Prompts für Anfänger zum Kopieren: der Startweg in acht Schritten

Dein Einwand höre ich schon: Erst meckere ich über Fertigprompts und dann lege ich dir selbst einen zum Kopieren hin. Stimmt ja auch, die Vorlage unten ist ebenfalls ein Prompt. Ein Fertigprompt bringt aber die Worte für deine Aufgabe schon mit. Meine Vorlage besteht fast nur aus Platz für deine eigenen Gedanken und den Rest holt sich die KI über ihre Fragen von dir.

  1. Such dir eine Aufgabe aus, die bei dir sowieso ansteht, zum Beispiel einen Brief an deinen Vermieter wegen der kaputten Heizung. An einer echten Aufgabe merkst du schneller, ob das Ergebnis taugt, als an einer Übung.
  2. Öffne ChatGPT, Claude oder Gemini und starte einen neuen Chat, damit dein Auftrag nicht zwischen alten Nachrichten untergeht.
  3. Kopier die Vorlage unten in das Eingabefeld.
  4. Ersetz die eckige Klammer durch deine Aufgabe.
  5. Schreib hinter den letzten Satz der Vorlage, was du sagen willst, ungeordnet und so, wie es dir einfällt. Statt zu tippen kannst du auch auf das kleine Mikrofon-Symbol im Eingabefeld tippen und drauflos erzählen, die App schreibt dann für dich mit. Je nach App gibt es daneben noch einen Knopf für ein Sprachgespräch mit der KI, den brauchst du hier nicht. Sprechen liefert immer mehr Infos für die KI, als schreiben. Auch wenn dazwischen 5 "ähms" landen.
  6. Schick die Nachricht ab.
  7. Beantworte die Fragen, die die KI dir stellt. Danach schreibt sie den Text.
  8. Lies den fertigen Text einmal laut vor. Was beim Vorlesen holpert, würde auch deinen Lesern auffallen.

Vorlage zum Kopieren:

„Ich brauche deine Hilfe bei [deine Aufgabe, zum Beispiel ein Brief an meinen Vermieter wegen der kaputten Heizung]. Stell mir zuerst alle Fragen, deren Antworten du brauchst, um die Aufgabe richtig zu erledigen, und schreib erst danach den Text. Hier ist, was ich sagen will, so wie es mir gerade einfällt:“

So kann der Unterschied aussehen, hier als ausgedachtes Beispiel für den Brief an den Vermieter. Ohne die Bitte um Rückfragen schreibt die KI sofort los, mit dem, was sie über kaputte Heizungen eben so weiß:

Ohne Rückfragen: „Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass meine Heizung nicht funktioniert. Ich bitte um zeitnahe Behebung des Mangels.“

Mit der Vorlage fragt sie zuerst nach, seit wann die Heizung kalt ist, ob du den Vermieter schon erreicht hast, ob ihr euch duzt oder siezt und bis wann er sich melden soll. Mit deinen Antworten klingt der Brief dann so:

Mit Rückfragen: „Hallo Herr Krüger, seit Montag ist die Heizung in meiner Wohnung im zweiten Stock komplett kalt. Ich hatte Ihnen am Dienstag schon auf den Anrufbeantworter gesprochen, bisher kam aber keine Rückmeldung. Bitte schicken Sie bis Freitag jemanden vorbei, die Nächte sind inzwischen ziemlich frisch.“

Der erste Brief passt zu jeder kaputten Heizung in jeder Wohnung. Im zweiten stecken Angaben, die nur du kennen kannst, und deshalb wirkt er, als hättest du ihn selbst geschrieben. Passt das Ergebnis trotzdem nicht, sag der KI, was dich stört, zum Beispiel: „Der letzte Satz klingt mir zu flapsig, schreib ihn etwas bestimmter.“ Die KI schreibt den Satz dann neu und du musst selbst nichts umschreiben.

Zwei Wege vergleichen und den besseren behalten

Lass dieselbe Aufgabe auf zwei Wegen laufen und leg die Ergebnisse nebeneinander. Weg eins ist die Vorlage von oben, Weg zwei ist ein Fertigprompt, den du schon hast, oder der Prompt, mit dem du bisher gearbeitet hast.

Nimm für jeden Weg einen eigenen Chat ohne Gedächtnis, bei ChatGPT heißt er temporärer Chat, bei Claude Inkognito-Chat. Ein normaler neuer Chat reicht hier nicht ganz, weil sich ChatGPT und Claude je nach Einstellung an frühere Unterhaltungen erinnern und dein erster Versuch sonst in den zweiten hineinwirkt.

Zähl dann bei jedem Text, wie oft du der KI noch sagen müsstest, was dir nicht passt. Der Text mit weniger Korrekturen gewinnt, egal ob er aus meiner Vorlage kommt oder aus dem Prompt, den dir jemand auf Instagram geschickt hat. Gewinnt der Fertigprompt, nimm den Fertigprompt. Bei einer anderen Aufgabe kann es anders ausgehen, dann vergleichst du eben noch mal.

Hast du deinen Weg gefunden, nervt dich irgendwann, dass du der KI immer wieder dieselben Dinge sagen musst. Im KI-Klang-Handbuch zeige ich dir, woran du KI-Klang in Texten und sogar in Büchern erkennst und wie du daraus feste Regeln für deine KI machst. Die hinterlegst du einmal in ChatGPT oder Claude und ab da lässt die KI diese Muster von selbst weg. Und jetzt such dir die Aufgabe raus, die bei dir schon die ganze Woche auf dem Zettel steht.