Es kann sein, dass dein Text besser wird, wenn du ihn durch ein Sprachmodell schickst. Die Rechtschreibung stimmt und der Satzbau läuft absolut rund, wo vorher eine holprige Stelle war. Trotzdem verlierst du damit womöglich genau den Vorsprung, für den du das Ganze überhaupt machst. KI-Texte klingen gleich, sobald viele Leute dieselben Werkzeuge auf dieselbe Art benutzen. Und ab dem Moment ist sauberes Schreiben keine Auszeichnung mehr, es ist die Grundausstattung.

Zwei Forscher von der University of Manchester und der University of Alberta haben genau diesen Effekt beschrieben. Karl Taeuscher und Michael Lounsbury argumentieren in ihrer Arbeit über Storytelling im Zeitalter generativer KI, dass die breite Nutzung von KI-Werkzeugen die Geschäftskommunikation angleicht. Auffällig finde ich allerdings, wen die beiden dabei im Blick haben. Nicht die Startups mit Wagniskapital im breitem Rücken, die durch die Fachpresse laufen. Sie meinen ausdrücklich die Inhaber kleiner Betriebe ohne Investoren, also Selbstständige mit einem Blog und ein paar eigenen Produkten. Menschen wie du und ich.

KI-Texte klingen gleich, weil die Modelle in Richtung Durchschnitt rechnen

Ein Sprachmodell sagt voraus, welches Wort als Nächstes am wahrscheinlichsten kommt. Es macht nichts anderes, den ganzen Tag. Diese Wahrscheinlichkeit zieht es aus riesigen Textmengen und das Ergebnis liegt naturgemäß in der Mitte dessen, was dort steht. Wenn du also schreibst „Unsere Lösung ist innovativ, weil ...“, dann sucht das Modell nicht nach deiner Begründung. Es sucht nach der Begründung, die in Millionen ähnlicher Sätze auf diese Einleitung folgt.

Dazu kommt die Art, wie die meisten Leute diese Werkzeuge bedienen. Der große Teil aller Anfragen an Chatbots besteht aus sehr kurzen Eingaben, meist einer einzigen Zeile. Kurzer Auftrag rein, fertiger Text raus. Die Modelle sind obendrein darauf eingestellt, brauchbar zu antworten, nicht eigenwillig oder sinnvoll. Beides zusammen ergibt einen Ablauf, der auf Anhieb solide Mittelware ausspuckt.

Diesen Fehler habe ich lange selbst gemacht, nur auf eine andere Art. Vor einiger Zeit noch, habe ich mir von irgendwelchen Instagram-Influencer (sagt man das so?) fertige Prompts runtergeladen. diese haben sie dann dort als DIE Geheimwaffe verkauft. Für jede Aufgabe derselbe feste Text, immer wieder, ohne einen Gedanken daran, dass meine Lage eine andere ist als die des nächsten Nutzers. Das Ergebnis war oft minimal brauchbar und komplett gesichtslos. Heute lasse ich die KI zuerst Rückfragen stellen, bevor überhaupt eine Zeile Text entsteht. Naja, ich war jung und brauchte das Geld 🙂

Was passiert, wenn 26.724 Texte durch dieselbe KI laufen

Die beiden oben genannten Forscher haben sich echte Crowdfunding-Kampagnen von Kickstarter vorgenommen, aus den Bereichen Kunst, Essen, Technik und Theater, alle vor 2018 veröffentlicht und damit sicher von Menschen geschrieben. Diese 26.724 Texte haben sie einem Sprachmodell vorgelegt, mit einer einzigen schlichten Anweisung: die Beschreibung umschreiben und verbessern. Danach haben sie verglichen, wie stark sich die menschlichen Fassungen untereinander unterscheiden und wie stark die überarbeiteten.

Das Ergebnis fällt bei Sprache und Form deutlich aus. Bei der Abstraktheit der Sprache streuten die überarbeiteten Texte 43,4 Prozent weniger. Bei den Rechtschreibfehlern waren es 78,1 Prozent weniger Streuung, bei der Wortzahl 87,5 Prozent, bei der durchschnittlichen Satzlänge 87,1 Prozent. Die Texte rücken also in ihrer Machart eng zusammen. Ein zweiter Befund aus einer Untersuchung in Science Advances passt dazu: KI hebt die Kreativität des Einzelnen und senkt gleichzeitig die Vielfalt aller Ergebnisse zusammengenommen.

Eine Einschränkung sollte ich aber noch erwähnen, weil sie sonst untergeht. Die Arbeit von Taeuscher und Lounsbury ist ein theoretischer Beitrag, kein Experiment. Die Autoren schreiben selbst, dass ihre Zahlen die These veranschaulichen und sie nicht beweisen. Sie beschreiben ein plausibles Szenario, keine gemessene Zukunft. Ich halte das Szenario für überzeugend, weil ich den Effekt an meinen eigenen Texten sehe, aber ein Beleg im strengen Sinn ist es nicht. Ich denke mal, das sich in Zukunft noch der ein oder andere Forscher damit beschäftigen wird.

Und noch ein Detail, das in den meisten Meldungen dazu untergeht: Diese Texte wurden nicht von der KI erfunden. Sie wurden von Menschen geschrieben und danach überarbeitet. Der Angleichungseffekt trifft also auch dich, wenn du deinen eigenen Text nur zum Aufhübschen durch eine KI schickst.

Dein Thema bleibt eigen, dein Klang nicht

Der Wert, der mir an dieser Untersuchung am meisten sagt, ist der kleinste. Beim Inhalt gingen die Texte nur um 5,4 Prozent enger zusammen. Deine Themen bleiben also weitgehend deine Themen, das ChatGPT und Co. drücken dir keine fremde Botschaft rein. Angeglichen wird die Verpackung, also Satzlänge und Wortwahl, der Abstraktionsgrad und der Rhythmus. Dein Anliegen überlebt diesen Vorgang, deine Stimme, deine Seele und Charakter im Text leider nicht.

Genau darin liegt der Ärger für alle, die im Netz etwas verkaufen. Zwei Anbieter mit verschiedenen Angeboten und ganz verschiedener Vorgeschichte produzieren am Ende Seiten, die sich beim Lesen anfühlen wie vom selben Autor. Der Leser merkt den Unterschied im Inhalt erst, wenn er lange genug dranbleibt. Beim Klang entscheidet er nach zwei Absätzen.

Bei mir hat das ein paar Bücher gekostet. Zwei oder drei fertige eBooks liegen bei mir im PC herum, die ich nie in den Verkauf gegeben habe, weil der KI-Beigeschmack einfach nicht rausging. Ich hatte damals ChatGPTl vorher gesagt, was ich nicht will, keine langen Gedankenstriche, keine Weltuntergangseinstiege. Geliefert hat es sie trotzdem, in leicht anderer Form. Der Inhalt stimmte, der Ton war KI-Bullshit.

KI-Texte klingen gleich: vier Muster, die immer wiederkommen

Vier Dinge fallen mir beim Lesen fremder Texte inzwischen sofort auf. Da ist der Einstieg mit der Welt, die sich immer schneller dreht. Dann der lange Gedankenstrich, den im deutschen Alltag kaum jemand tippt, weil die Taste dafür gut versteckt liegt. Dazu kommen vier kurze, abgehackte Sätze in Reihe. Und schließlich taucht ständig die Konstruktion auf, die eine Sache erst verneint und sie dann durch eine andere ersetzt.

Den folgenden Absatz habe ich für diesen Zweck selbst verhunzt. Zusammengesetzt liest sich das Ganze dann so:

Typisches KI-Muster: In einer Welt, die sich immer schneller dreht, zählt nicht Geschwindigkeit — sondern Klarheit. Es geht nicht um mehr Tools. Es geht um bessere Entscheidungen. Nicht Morgen. Jetzt.

Der Absatz ist grammatisch völlig ok. Er sagt nur nichts, was hunderttausend andere Absätze nicht auch sagen. Wenn du wissen willst, woran sich solche Muster noch festmachen lassen, habe ich die Merkmale von KI-Sprache ausführlicher aufgeschrieben. Wichtig bleibt dabei: Das sind Indizien, kein Beweis. Auch schwache menschliche Schreiber klingen manchmal so.

Sauber schreiben ist ab jetzt der Mindeststandard

Früher hat ein sauber geschriebener Text was ausgesagt. Da hat jemand Zeit reingesteckt und der Leser hat es gemerkt. Heute kostet dich das keine halbe Minute mehr und damit ist der Bonus weg. Wenn rundherum alle glatte Sätze abliefern, holst du dir mit glatten Sätzen keinen Blumentopf mehr. Übrig bleibt genau eine Sache, nämlich dass dein Text nach dir klingt. Wenn du es denn richtig anstellst.

Für mich heißt das zwei Dinge. Zum einen lasse ich dasselbe Thema von zwei Modellen parallel durchkauen, meistens ChatGPT und Claude. Was dabei rauskommt, werfe ich hinterher zusammen und arbeite damit weiter. Zwei Startpunkte bringen anderes Material als ein einziger Durchlauf, der ab der ersten Zeile schnurstracks in die Mitte läuft.

Zum anderen lese ich jeden fertigen Text laut vor. Klingt bescheuert, ist aber die beste Prüfung, die ich kenne. Beim leise lesen, rutscht dir geschliffene Leere glatt durch, beim laut Vorlesen bleibst du daran hängen. Jeder Satz, bei dem meine Stimme komisch wird, fliegt raus oder wird umgebaut. Am Ende steht in meinen Texten manchmal ein Wort, das jeder Lektor streichen würde. Und genau das soll da stehen.

Behauptungen werden billiger, Belege gewinnen

Die Studienautoren beschreiben noch eine zweite Veränderung und die finde ich noch unangenehmer. Ein überzeugend geschriebener Satz war früher schon für sich ein kleiner Beweis. Heute tippt den jeder in zehn Sekunden hin, egal ob etwas dahintersteckt oder nicht. Schreib auf deine Seite, dass du besonders gründlich arbeitest. Genau derselbe Satz steht dann auch beim Anbieter zwei Klicks weiter. Dein Leser überfliegt ihn und glaubt ihn nicht, weil er ihn schon zwanzigmal gelesen hat. Und das passiert dir auch, wenn du jedes einzelne Wort selbst geschrieben hast.

Dagegen hilft alles, was sich nicht einfach behaupten lässt. Deine eigenen Erfahrungen, die du erlebt hast. Ein Fehler, den du gemacht hast, samt dem, was er dich gekostet hat. Solche Dinge kann ein Sprachmodell nicht aus dem Durchschnitt ziehen, weil sie in keinem Trainingstext stehen. Wie sich das im Aufbau eines Artikels niederschlägt, habe ich am Beispiel der Qualitätsmerkmale für KI-Texte beschrieben.

Ehrlich gesagt entsteht daraus eine Schere. Selbstständige mit Vorgeschichte und Erfahrungsschatz haben mehr Material, mit dem sie ihre Aussagen unterfüttern können. Beim Neuanfang fehlt genau dieses Material und es muss erst entstehen. Die Werkzeuge machen den Einstieg also leichter und den Abstand danach nicht kleiner.

Der Klang im Text ist trotzdem die Stelle, an der du am schnellsten etwas ändern kannst. Er ist die am stärksten angeglichene Ebene, gleichzeitig die, auf die dein Leser als Erstes reagiert. Wenn du dafür einen Werkzeugkasten willst, findest du im KI-Klang-Handbuch die Handgriffe, mit denen ich meine eigenen Texte aus dem Einheitston hole. Es macht deinen Text nicht automatisch einzigartig, dafür brauchst du deine eigene Erfahrung. Es sorgt dafür, dass niemand deine Sätze mit denen deines Wettbewerbs verwechselt.

KI-Texte menschlich machen

Das KI-Klang-Handbuch

Die meisten schreiben den KI-Klang hinterher aus dem Text raus und sitzen dann eine Stunde an etwas, das die KI in zwei Minuten ausgespuckt hat. Ist das, was du willst? Im KI-Klang-Handbuch baust du dir dein eigenes Regelwerk und drehst damit die Reihenfolge um. Du nimmst die zwölf Muster, anhand derer deine Leser einen KI-Text sofort erkennen, machst daraus einen fertigen Regelblock und hinterlegst ihn als Skill in Claude oder als Anweisung in ChatGPT. Ab da hält sich dein Tool bei jedem Auftrag automatisch daran, ohne dass du der KI jedes Mal sagen musst, wie ein Mensch schreibt.