Google testet seit Ende August, die KI-Antwort bei einem Teil der Suchanfragen automatisch in voller Länge auszuklappen. Der Klick auf „Mehr anzeigen“ fällt weg, direkt darunter steht das Eingabefeld für Folgefragen und die zehn gewohnten Treffer rutschen entsprechend nach unten. Für mich persönlich verschiebt sich damit die Frage beim Schreiben. Sichtbarkeit in KI-Antworten wird zur zweiten Baustelle neben dem normalen Ranking und beide hängen am selben Text. Der Aufwand dafür ist allerdings kleiner, als der halbe Ratgebermarkt gerade behauptet.

 

Was gerade auf der Ergebnisseite passiert

 

Der Test betrifft ausgewählte Themen und ist erst einmal keine flächendeckende Umstellung. Golem hat den Test mit den vollständig ausgeklappten KI-Antworten beschrieben. Nach Angaben eines Google-Sprechers empfinden Nutzer die Suche in dieser Form als hilfreicher und steigen häufiger in Anschlussfragen ein, wie der Handelsdienst etailment berichtet. Sobald jemand von sich aus scrollt, stoppt das automatische Ausklappen offenbar.

Wie viele Themen Google dabei einbezieht, steht nicht fest und ob aus dem Test eine dauerhafte Ausspielung wird, weiß im Moment auch niemand von außen. Trotzdem geht die Richtung seit zwei Jahren immer dahin: Je mehr Fläche die KI-Antwort bekommt, desto tiefer liegt der erste blaue Link. Ich richte meine Arbeit lieber daran aus, statt auf eine Rolle rückwärts zu hoffen.

Praktisch ändert das bei mir wenig am Ablauf und einiges an der Zielrichtung. Meine Recherche läuft weiter über Gemini, bei größeren Themen im Research-Modus, der mehrere Seiten durchgeht statt nur ein paar Absätze auszuspucken. Dabei sehe ich früh, was zu einem Thema ohnehin schon überall steht. Genau diese Absätze schreibe ich nicht noch einmal, weil sie in der KI-Antwort bereits stehen, bevor mein Artikel überhaupt auftaucht.

 

Was Google selbst zur Sichtbarkeit in KI-Antworten sagt

 

Seit Mai gibt es dazu einen offiziellen Leitfaden von Google Search Central, zuletzt im Juli aktualisiert. Die Kernaussage darin: Die KI-Funktionen greifen auf dieselben Ranking- und Qualitätssysteme zurück wie die normale Suche. Google nennt das Verfahren Fundierung, in der Fachsprache Retrieval-Augmented Generation (kannst du dir merken, musst aber nicht). Gemeint ist damit, dass das Modell passende Seiten aus dem Suchindex holt und seine Antwort an deren Inhalt ausrichtet. Eine Seite kann in diesen Funktionen also nur auftauchen, wenn sie indexiert ist. Sichtbarkeit in KI-Antworten hängt damit an derselben Arbeit wie ein normales Ranking.

Vier Dinge kannst du dir laut diesem Leitfaden sparen.

  1. Eine llms.txt anzulegen bringt nichts. Dahinter steckt eine einfache Textdatei, die du ins Hauptverzeichnis deiner Website legst, um KI-Modellen deine Inhalte gebündelt anzubieten. Die Google-Suche ignoriert solche Dateien.
  2. Deine Texte in kleine Häppchen zu zerlegen hilft ebenfalls nicht. Häppchen heißt hier: ein Thema auf viele kurze Einzelseiten oder Mini-Abschnitte aufteilen, damit sich die KI die passende Stelle leichter herausgreift. Googles Systeme halten mehrere Themen auf einer Seite problemlos auseinander und spielen dem Leser den passenden Teil aus.
  3. Das Umschreiben eines Textes eigens für KI sparst du dir besser, weil die Systeme Synonyme und die Bedeutung hinter einer Suchanfrage auch so ganz gut erkennen.
  4. Und strukturierte Daten sind für die KI-Funktionen nicht nötig. Es geht dabei um zusätzliche Angaben im Quelltext, mit denen du einer Suchmaschine sagst, was auf deiner Seite steht, etwa ein Rezept oder eine Bewertung. Für andere Suchergebnisse ergeben sie weiter Sinn, verlangt werden sie für die KI-Antworten nicht.

Was Google stattdessen empfiehlt, klingt beinahe langweilig. Ein Text braucht eine eigene Perspektive, die sich von der üblichen Darstellung unterscheidet. Er soll aus erster Hand berichten, statt zusammenzufassen, was im Netz bereits steht. Als Negativbeispiel nennt der Leitfaden eine Seite vom Typ „7 Tipps für Erstkäufer von Immobilien“, weil solche Listen von jedem stammen könnten und über Allgemeinwissen nicht hinausgehen.

Ich habe mir vor ein paar Jahren Fertigprompts von Instagram-Gurus abgeschrieben und für dieselbe Aufgabe jedes Mal denselben Prompt genommen, ohne auf die eigene Situation einzugehen. Herausgekommen ist genau der Text, den Google hier beschreibt: sauber, richtig und von irgendwem. Heute arbeite ich im Dialog, lasse mir Rückfragen stellen und gehe mehrere Runden, bis etwas drinsteht, das ich vorher selbst so nicht formuliert hätte. Wie sichtbare Erfahrung im Text aussieht, habe ich in einem eigenen Beitrag zu Erfahrung und E-E-A-T im KI-Text aufgeschrieben.

 

Warum durchschnittlicher Text jetzt doppelt teuer wird

 

Früher hat mittelmäßiger Text trotzdem irgendwie funktioniert. Er stand auf Platz sechs, ein paar Leute klickten drauf und ein Teil davon blieb dann auch. Steht die Antwort dagegen schon oben im ausgeklappten Kasten, hat niemand mehr einen Grund, weiter unten auf eine Seite zu klicken, die dasselbe noch einmal in eigenen Worten erzählt. Der Text verliert damit an zwei Stellen gleichzeitig: Er taugt nicht als Quelle für die Antwort und er lohnt sich für den Leser nicht als Klick.

Diesen Fehler kenne ich aus eigener Produktion. Mein erstes eBook hatte rund 35 Seiten mit etwa 11.500 Wörtern und war nach heutigem Maßstab durchgehend in KI-Sprache geschrieben. 2023 ging das in Ordnung, heute würde ich es so selbstverständlich nicht mehr verkaufen. Später sind mir zwei bis drei eBooks liegen geblieben, weil der KI-Beigeschmack zu stark war und ich sie mit meinem Namen nicht rausgeben wollte.

Damit ist nicht jeder KI-Rohtext wertlos. Für Passagen ohne Meinung, etwa eine nüchterne Begriffserklärung, reicht er oft aus. Ich habe an anderer Stelle geschrieben, wo KI-Rohtext im Alltag genügt und wo die Nachbearbeitung für dich Pflicht wird. Für den Teil, der deinen Artikel von tausend anderen unterscheidet, taugt Rohtext nie, weil er per Konstruktion aus dem zusammensetzt, was schon existiert.

 

Sichtbarkeit in KI-Antworten messen oder ganz abschalten

 

Seit Juni zeigt die Search Console einen eigenen Leistungsbericht für generative KI-Funktionen. Dort siehst du deine Impressionen aus den KI-Übersichten und dem KI-Modus getrennt vom Rest. Klickzahlen und die tatsächlichen Nutzerfragen liefert der Bericht bislang nicht, du siehst also, dass du vorkommst, aber nicht, was daraus wird.

Parallel gibt es in den Einstellungen den Punkt „Generative KI in der Google Suche“, inzwischen auch in deutschen Konten. Du kannst deine Inhalte für generative KI-Funktionen einbeziehen oder ausschließen, Standard ist das Einbeziehen. Beim Ausschluss werden deine Inhalte in diesen Funktionen nicht mehr angezeigt und du bekommst darüber weder Impressionen noch Zugriffe.

Ich lasse den Schalter auf der Standardeinstellung. Ein Ausschluss nimmt mir die Klicks aus den KI-Funktionen weg und die paar Leser, die aus einer Antwort heraus auf einen Fachbegriff klicken, sind mir mehr wert als das Prinzip. Ob ein Ausschluss noch andere Nebenwirkungen auf die normale Suche hat, weiß ich nicht, ich habe es nicht getestet und finde dazu auch keine belastbare Aussage.

 

Der Text, der beide Seiten bedient

 

Sichtbarkeit in KI-Antworten und ein lesbarer Artikel ziehen weniger in verschiedene Richtungen, als es zunächst aussieht. Die Anforderung an einen zitierfähigen Absatz und die an einen lesbaren Absatz laufen erstaunlich weit parallel. Eine Antwort, die aus meinem Text zusammengesetzt wird, braucht eine klare Aussage, die für sich steht. Ein Leser braucht genau dasselbe, weil er sonst nach zwei Sätzen abspringt. Deshalb schreibe ich jede Empfehlung mit ihrer Begründung in denselben Abschnitt, statt sie über den Artikel zu verteilen.

Die zweite Ebene liegt tiefer. Eine Erfahrung, die nur ich gemacht habe, kann keine KI aus vorhandenen Quellen zusammenrühren, weil sie nirgends steht. Das gilt für die Umwege genauso wie für die Ergebnisse, oft sogar mehr, denn über gescheiterte Versuche schreibt kaum jemand. Meine liegen gebliebenen eBooks aus dem letzten Abschnitt sind so ein Fall, den keine KI erfinden kann.

Am Ende steht der Klang, die Seele und der Charakter eines Textes. Ein Text, der nach Rohausgabe klingt, wird von Lesern inzwischen oft erkannt und ebenso oft weggeklickt, egal wie richtig der Inhalt ist. Mein Prüfschritt dafür kostet zehn Minuten: Ich lese den fertigen Artikel laut vor. Jeder Satz, bei dem ich beim Vorlesen stolpere oder Luft holen muss, wird umgebaut.

Wenn du dabei nicht bei null anfangen willst: Mein Vorgehen steht im KI-Klang-Handbuch, mit allen Handgriffen, die einen KI-Text menschlich klingen lassen. Anfangen kannst du aber sofort. Nimm deinen letzten Artikel und streiche jeden Absatz, der genauso in einer KI-Antwort stehen könnte. Der Rest ist der Teil, für den dich jemand besucht.

KI-Texte menschlich machen

Das KI-Klang-Handbuch

Die meisten schreiben den KI-Klang hinterher aus dem Text raus und sitzen dann eine Stunde an etwas, das die KI in zwei Minuten ausgespuckt hat. Ist das, was du willst? Im KI-Klang-Handbuch baust du dir dein eigenes Regelwerk und drehst damit die Reihenfolge um. Du nimmst die zwölf Muster, anhand derer deine Leser einen KI-Text sofort erkennen, machst daraus einen fertigen Regelblock und hinterlegst ihn als Skill in Claude oder als Anweisung in ChatGPT. Ab da hält sich dein Tool bei jedem Auftrag automatisch daran, ohne dass du der KI jedes Mal sagen musst, wie ein Mensch schreibt.