Letzte Woche hab ich einem Bekannten eine Frage per WhatsApp geschickt. Eine ziemlich spezielle Frage, die nur er beantworten konnte, weil er bei der Sache dabei gewesen ist. Nach zwei Minuten kam die Antwort zurück, sechs Absätze lang, mit hübschen Zwischenüberschriften, in einer WhatsApp. IN EINER WHATSAPP-NACHRICHT. Zu meiner eigentlichen Frage stand darin kein einziges Wort.
Eine KI-Antwort erkennen musste ich da gar nicht groß, das sprang mir sofort ins Auge. Er hat die Frage kopiert, bei ChatGPT oder sonstwo reingeworfen und das Ergebnis zurückgeschickt, ohne es selbst zu lesen. Sonst wäre ihm aufgefallen, dass der Text mich mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ anredet. Bei einem Bekannten, den ich seit Jahren kenne und duze, fällt sowas dann doch ein bischen auf.
Was mir so eine Antwort sagt
Früher hätte er mir in dem Fall einfach „Melde mich später dazu“ geschrieben und sich dann vielleicht nicht mehr dazu gemeldet. Unhöflich war das, aber ich wusste wenigstens, woran ich bin oder ich hätte zwei Tage später nochmal gefragt.. Heute kommt ein Textblock zurück, der nach Arbeit aussieht. Er ist sauber formatiert und hat nicht einen einzigen Rechtschreibfehler. Nur stand da leider kein einziger Gedanke drin, der von ihm kommt.
Genau das geht mir auf den Sack. Die alte Absage war als Absage zu erkennen, jeder wusste, was gemeint ist. Keine Antwort ist auch eine Antwort. So ein KI-Block tut dagegen so, als hätte sich jemand Mühe gegeben. Ich lese ihn, ich soll darauf reagieren und am Ende halte ich überhaubt nichts in der Hand. Er hatte keine Lust auf meine Frage und hat das in schöne Sätze gepackt. Vielleicht war ja auch meine Frage komisch formuliert, aber das hätte man durch nochmaliges Nachfragen klären können.
Vielleicht kommt jetzt von dem einen oder anderen der Einwand, dass er eben keine Zeit hatte. Kann gut sein. Nur dauert „Sorry, schaffe ich diese Woche nicht“ ungefähr zehn Sekunden. Kopieren, einfügen und zurückschicken dauert länger als das. Die Zeit war also da, gefehlt hat die Lust.
Woran du eine KI-Antwort erkennen kannst
Solange keiner nachbearbeitet, sehen diese Antworten sich alle ziemlich ähnlich. Ich achte inzwischen auf vier Sachen.
Die Länge passt überhaubt nicht zu dem Kanal, in dem geschrieben wird. Auf eine kurze WhatsApp-Nachricht tippt kein Mensch freiwillig sechs Absätze mit Gliederung.
Die Anrede passt nicht zu eurem Verhältnis. Jemand siezt dich, obwohl ihr euch seit Jahren duzt, oder der Text spricht überhaupt niemanden persönlich an.
In so einer Antwort ist dann auch wirklich alles abgedeckt. Eine KI nennt dir alle Vorteile und weil es so schön ist, auch gleich die Nachteile, Ausnahmen und den Hinweis, dass es auf deine Situation ankommt. Ein Mensch, der dir als Mensch antwortet, lässt fast alles davon weg und sagt dir nur das eine, worauf du hinauswolltest.
Das Gemeinsame fehlt. Ihr wart beide z.B. bei dem Termin, ihr kennt beide die Leute, um die es geht. Wenn davon nichts in der Antwort auftaucht, hat sich der andere die Frage nicht durch den Kopf gehen lassen. Ich bin mir ziemlich sicher, Sonst wäre dieses Wissen von allein mit reingerutscht.
Gegen die KI selbst hab ich nichts
Damit das jetzt nicht falsch rüberkommt: Ich hab überhaupt kein Problem damit, wenn jemand KI benutzt. Ich mache das selbst, jeden Tag. Schreibt mir zum Beispiel einer „Ich hab das mal mit Claude durchgespielt und das kam dabei raus. Ich selbst sehe es so und so.“, dann ist alles in Ordnung. Da hat sich jemand Gedanken gemacht und ein Werkzeug benutzt. So what!
Der Unterschied liegt beim Lesen. Hätte mein Bekannter seinen Text vor dem Absenden einmal überflogen, wäre ihm die falsche Anrede aufgefallen. Er hätte gesehen, dass Punkt drei nichts mit meiner Frage zu tun hat. Dann streicht er die Hälfte raus, schreibt zwei eigene Sätze dazu und fertig ist eine Antwort, die ihm gehört. Woher der erste Entwurf kam, spielt danach überhaupt keine Rolle mehr.
Genau dieser eine Schritt wird zu oft weggelassen und ohne ihn schickt dir keiner seine eigene Meinung. Du kriegst stattdessen eine Zusammenfassung von dem, was irgendwer im Internet mal zu deiner Frage geschrieben hat. Die KI lernt daraus und gibt dir die Antwort dann in anderen Worten wieder.
Wie du deinen Kumpel darauf ansprichst
Bloßstellen bringt dir gar nichts. Wenn du ihm einen KI-Detektor unter die Nase hältst (der meiner meinung nach sowieso nichts bringt) oder ihm „Das kommt doch von ChatGPT“ schreibst, geht er in die Verteidigung. Ihr redet ab da über Tools statt über deine Frage und deine Antwort kriegst du trotzdem nicht. Lass es!
Bei mir funktioniert eine ganz einfache Rückfrage am besten. Ich picke mir das Detail raus, das nur er wissen kann und frage direkt danach. „Danke dir. Was hat sie denn noch mal dazu gesagt?“ Damit ist der ganze Textblock wertlos. Kopieren hilft ihm da nicht weiter, weil die Antwort nur er kennen muss.
Der zweite Weg ist noch einfacher. Ich sage vorher dazu, was ich will: „Kurz aus dem Bauch, ein Satz reicht mir.“ Damit nehme ich ihm den Druck, eine vollständige Antwort abliefern zu müssen. Genau dieser Druck treibt die meisten überhaupt erst zur KI. Die kopieren nämlich oft nicht aus Faulheit, die glauben wirklich, zwei Sätze wären zu wenig.
Bei jemandem, der das ständig macht, hilft nur Klartext. Ich hab so einer Person irgendwann geschrieben, dass mir drei Wörter von ihm lieber sind als drei Absätze von einer KI. Er hat kurz gebraucht, dann kam ein „Fair“ zurück. Seine Antworten sind seitdem wieder kurz auf den Punkt und wieder von ihm.
Wenn man KI verwendet, sollte man sich im Prinzip wenigstens die Mühe machen, der KI beizubringen, wie man persönlich spricht. Dann hat man das Problem nicht. Um die Antworten zu konkretisieren, kann man in der KI außerdem die Anweisung geben, sich ausdrücklich auf die Frage im folgenden Text zu beziehen. So wird das Risiko minimiert, dass die KI um den heißen Brei redet und eine Antwort mit Überschriften und sechs Absätzen schreibt, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Frage zu tun hat. Man verbessert oder korrigiert noch ein, zwei Stellen und dann ist es gut.
Warum das auch für deine eigenen Texte gilt
Das Gleiche passiert gerade überall, in Bewerbungen, in Kundenmails, in Angeboten und unter Blogartikeln. Jemand lässt einen Text mittels KI schreiben, liest ihn nicht oder nur oberflächlich und schickt ihn raus. Dabei schreibt KI mittlerweile richtig gute Texte, die sich von echten kaum noch unterscheiden lassen. Trotzdem kriegen die Leute am anderen Ende immer feinere Ohren dafür.
Da liegt das eigentliche Risiko, wenn du selbst mit KI arbeitest. Erwischt zu werden ist gar nicht das Schlimme, das interessiert die meisten weniger als gedacht. Schlimmer ist, was der andere danach über dich denkt. Hat jemand einmal so einen Textblock von dir bekommen, liest er den nächsten Text von dir mit ganz anderen Augen. Dieses Misstrauen kriegst du nur schwer wieder weg.
Deshalb lohnt es sich, der KI von vornherein beizubringen, wie du eigentlich sprichst. Dann kommt schon beim ersten Entwurf dein eigener Ton raus und nicht der Einheitsbrei, den jeder erkennt. Wie du das anstellst und welche Formulierungen dich sonst verraten, hab ich im KI-Klang-Handbuch aufgeschrieben.
Mach beim nächsten Text, der bei dir aufploppt, mal Folgendes. Vergiss das übliche Hin und Her. Frag direkt nach dem einen konkreten Detail, das keine KI erraten kann. Genau da entscheidet sich, wer da wirklich schreibt. Denn bei so einer Frage gibt es keine Ausreden und auch keine Floskeln. Da ist jede Antwort echt. Probier es aus, direkt beim nächsten Chat.
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